Donnerstag, 7. Juli 2016

Vielseitig verwendbar

Vor einige Zeit habe ich mir eine Inversionsbank (Schwerkrafttrainer) gegönnt. Eigentlicher Zweck: Linderung der Rückenprobleme. Klappt auch wunderbar, ich bin bestens zufrieden mit dem Ding.
Wie es nunmal so ist, kamen mir beim ersten Blick auf die Bank natürlich Gedanken über die einschlägige Verwendbarkeit von so einer Bank in den Sinn. Ich bin lange mit dem Kopfkino um die Bank herumgeschlichen und habe sie jetzt mehrere Monate nur ihrem eigentlichen Zweck entsprechend genutzt. Bis zum letzten Wochenende, da haben wir sie auf ihre Bondagetauglichkeit getestet und für gut befunden.
Es war nur ein kurzer Test über vielleicht 10 Minuten und ohne jegliche Anbaumaßnahmen, aber ausreichend, um Lust auf mehr zu machen. Man fühlt sich so richtig hilflos, wenn man kopfüber auf ein Brett gebunden ist und sich keinen Zentimeter mehr bewegen kann. Durch das Anziehen der Beine oder die Verlagerung der Arme kann man normalerweise das Brett bewegen, sprich wieder in eine aufrechte Haltung bringen. Wenn aber nun Arme und Beine fest an das Brett gebunden sind, kann man das vergessen. Keine Chance, da ist nichts zu wollen und man ist total ausgeliefert. Ich bin gespannt und neugierig wie eine intensivere Nutzung sein wird, wenn Augenbinden, Magic Wand, Klammern und Co. zum Einsatz kommen.
Sicher ist bei der einschlägigen Nutzung Vorsicht geboten, da bei der kopfüber hängenden Lage das Blut in den Kopf fließt, aber mit gebührendem Respekt und eingeschaltetem Verstand sollte das Risiko überschaubar bleiben.

Donnerstag, 30. Juni 2016

McDonalds mal anders

Heute bei Pierre Huet den Vorrat für zu Hause eingekauft. Drei Kartons Poiré und Cidre. Poiré ist das gleiche wie Cidre, nur eben aus Birnen, und mit noch ein bisschen weniger Alkohol ein gutes Autofahrergetränk. Es schmeckt frisch und birnig, ich habe mich auf den ersten Schluck in dieses Getränk verliebt. Deswegen, und weil ich das in Deutschland noch nicht bewusst in den Läden wahrgenommen habe, gibt es davon recht viel Vorrat für zu Hause.
In den letzten Urlaubstagen lassen wir es ein bisschen langsamer angehen. Was wir sehen wollten haben wir gesehen und nun bleibt Zeit für Wiederholungstaten. Noch einmal nach Trouville an den Strand, unter anderem zum Muscheln essen, noch einmal nach Caen zum Shoppen und auch einmal McDonalds Frankreich testen. Ja, das wollte ich gerne und es war eine Erfahrung wert. Die Produkte sind nicht anders als bei uns, aber … Da betritt man zuversichtlich das Restaurant, denn auch in einer Fremdsprache wird man es ganz gut schaffen, eines der Menüs zu bestellen. Dachten wir. Am Tresen war nichts zu wollen, was wir mehr durch die Gesten als durch den französischen Wortschwall der Angestellten kapiert haben. Wir wurden an eine Art Riesentablet, von denen mehrere vor dem Tresen aufgebaut waren, verwiesen. Hier galt es zuerst die Sprache auszuwählen, dann wurde man per Touchscreen durch den Bestellvorgang geleitet. Von der Produktpalette zu den Menüs, über Getränke, Saucen und Desserts bis hin zur Bezahlart - Bankkarte oder Bargeld möglich. Dann die letzte Frage: In welche Zone möchten Sie sitzen? Hä? Große Fragezeichen auf unseren Gesichtern, aber mit Hilfe eines dargestellten Lageplans entschieden wir uns recht willkürlich für Zone 2. Erstaunlich, wie man von so einer kleinen Frage aus dem Konzept gebracht werden kann. Das Tablet spuckte die Quittung aus, wir nahmen an einem Tisch in Zone 2 Platz und keine zwei Minuten später wurde unsere Bestellung zu uns gebracht. Faszinierend.
Ich finde diese Bestell-Tablets genial. Kein langes Warten vor dem Tresen (die Dinger sind beidseitig bespielbar), kein hektische Überlegen, wenn ich noch nicht sicher bin, was ich essen möchte (und gerade dann ist natürlich keine Schlange am Tresen), man kann in aller Ruhe hin- und her-, vor- und zurücküberlegen (okay, das ist vielleicht ein Frauen-Ding) und wartet dann gemütlich auf die Lieferung der Bestellung.
Gerade dort, wo man es am wenigsten erwartet, wo man mit dem immer gleichen rechnet, quasi mit den weltweiten vertrauten Standards in Essen und Service, wo man weiß, was einen erwartet (sozusagen der Ruhepol in der ausländischen Kulinarik), wird man mit technischen Neuerungen konfrontiert, die einen kurzzeitig echt alt vorkommen lassen. Aber noch bin ich nicht zu alt, um begeisterungsfähig zu sein und um es mit den Worten der „amerikanischen Botschaft“ zu sagen: „Ich liebe es“.

Samstag, 25. Juni 2016

Normandie und Essen

Vielleicht muss man hier bei den Restaurants eine Ausnahme machen. Entweder sie sind gut oder schlecht. Wir hatten beides schon, allerdings überwiegen die guten. Haben heute erst wieder eine kleine Brasserie aufgetan, in der wir ein hervorragendes Menü (oder besser gesagt zwei) für je 13 Euro bekommen haben. Der Laden war brechend voll mit Einheimischen und die Tageskarte laß sich gut, also sind wir rein und haben uns wiedermal mit Händen und Füßen eine Auswahl zusammengestellt. Lecker wars. Und wir wissen jetzt sicher, dass wir hier nicht verhungern.
Die Supermärket überfordern mich hier ein wenig mit ihrem nahezu unendlichen Angebot. In den kleinen Ortschaften gibt es nur ganz selten kleine Lebensmittelläden, dafür gibt es in jedem Ort Fleischereien und Bäckereien. Die großen Supermärkte gibt es alle 30-50 km und die richtig großen in den größeren Städten. Von so einer Auswahl an Lebensmitteln träumt man in Deutschland. Ich meine, wir haben ja eine große Auswahl an z. Bsp. Joghurt, hier hat man gleich 8 Meter Regal an Auswahl. Das gleiche mit Käse, Wurst, Brot, Fleisch und Fisch. Bis ich da durch bin, um überhaupt einmal zu registrieren, was es alles gibt, ist die erst halbe Stunde locker um. Und da will man „nur mal eben schnell einkaufen“ …
Aber Spaß machts!
BTW: Wir haben festgestellt, dass a) der Whisky hier im Vergleich zu Deutschland-Preisen sehr günstig ist, und b) Calvados aufgrund der Calvados-Preise nicht auch noch zu einem unserer Hobbies wird. Würde sich zwar aufgrund der Vielseitigkeit eignen, aber ein paar Flaschen für zu Hause müssen reichen.


Mittwoch, 22. Juni 2016

Normandy, ...

...the place to be.
Der Spruch kommt nicht von mir, den hat unsere Tour-Guide in der Destillerie Pierre Huêt (Cidre, Calvados & Co.) fallen gelassen. Es ist schön hier in der Normandie, genauer gesagt im Pays d'Auge. Die Landschaft ist saftig grün und die Dörfer sind oft pittoresk. Allerdings scheint es hier nichts zu geben, das einfach nur schön ist. Es ist mit fast absoluter Sicherheit auch immer eine negative Seite da.
Die Normannen scheinen die Abgeschiedenheit und die Unsichtbarkeit zu lieben. Sämtliche Straßen hier sind von übermannshohen Hecken eingesäumt. Das ist superschön, beruhigt das Auge und bietet Schatten, allerdings sieht man aber von den zahlreichen rechts und links der Straße gelegenen Manoirs und Châteaus absolut nichts. Die Karte zeigt ein schönes Gebäude nach dem anderen an, und wir sehen nur Büsche und Bäume. Dieser Bewuchs hat die Alliierten im 2. Weltkrieg schon schier zur Verzweiflung getrieben, aber damals aus anderen Gründen. Da schimpfe ich lieber darüber weder Haus noch Landschaft bertrachten zu können, als hinter jedem Strauch eventuell dem Feind in die Arme zu laufen.
Unser Ferienhaus ist auch sehr malerisch. Auf einem ehemaligen normannischen Gehöft gelegen, ist es ein typisch normannisches Fachwerkhäusschen, klein aber fein. Wir haben neben der großen und ebenerdigen Dusche, die sicher auch gut bespielbar ist, eine große Badewanne. Diese Badewanne hat ein integriertes Kopfteil, das den Aufenthalt in ihr wohl so angenehm wie möglich machen soll. Allerdings scheint die Wanne auf Orang-Utans ausgelegt zu sein, denn wenn ich meinen Kopf auf dem Kopfteil platziere und versuche, meine Arme auf die eingearbeiteten Armstützen zu legen, fehlen mir gut 15 cm Arm. Oberarm um genauer zu sagen. Mein Monsieur meint, dass die Wanne vielleicht für Rucksackträger ausgelegt ist. Hab ich nicht probiert, mein Rucksack ist gar nicht groß genug. Außerdem bin ich nicht flach genug für diese Wanne. Mit der maximal einzulassenden Wassermenge sind gerade mal Po, die Hälfte der Oberschenkel und die Hälfte des Bauches bedeckt, der Rest friert.
Ich sag ja, hier ist nichts nur positiv.

Sonntag, 19. Juni 2016

Endlich Urlaub

Es ist seltsam nichts zu tun zu haben, wenn die Tage im Alltagstrott ansonsten vollgepackt sind. Da muss ich mich jetzt erstmal dran gewöhnen.
Ich stehe in der Sonne – ja, sie scheint gerade mal – auf unserer Terrasse in der Normandie und bestaune die Stille um mich herum. Wir sind von Pferdekoppeln umgeben und außer dem Vogelgezwitscher, unserem Roboter-Rasenmäher und ein bisschen gedämpftem Straßenlärm aus der Ferne hören wir hier nicht viel. Ach doch, da wären noch die zahlreichen Frösche in unserem Teich, die morgens und abends Konzerte veranstalten und ab und an mal die Esel auf einer der Nachbarweiden. Total ungewohnt, aber total schön. Noch bin ich rastlos und etwas unsicher, weil eben nichts zu tun ist, aber das wird sich im Laufe der nächsten Tage sicher geben.

Montag, 23. Mai 2016

BoundCon 2016

BoundCon 2016. Ich weiß nicht. Irgendwie war ich enttäuscht. Warum das so war, kann ich nichtmal hundertprozentig sagen. Einige der Aussteller der letzten Jahre waren nicht vertreten, andere hatten wesentlich kleinere Stände (somit auch weniger Auswahl), die Stände waren anders angeordnet, sodass alles enger und gequetschter wirkte und es trotz gefühlt weniger Besuchern immer wieder zu Stauungen in den Gängen kam. Ganz besonders war das vor der kleinen Bühne festzustellen. Diese war so aufgebaut, dass sie nur noch von einer Seite einsehbar war, und das auch noch passend an einer T-Kreuzung. Somit war diese Bühne völlig uninteressant: Nur noch eine Handvoll Zuschauer fand davor Platz, diese haben gleichzeitig die Passanten blockiert. Von Standbetreibern war zu hören, dass am Freitag tote Hose war, und auch der Samstag ließ zu wünschen übrig. Wo sich in den vergangenen Jahren schon um 13 Uhr die Menschen auf Ständen und in Gängen gedrängt haben, war dieses Jahr noch massig Luft nach oben. Erst gegen Nachmittag füllte sich die Halle recht ordentlich.
Neuigkeiten habe ich nicht viele gesehen, was aber auch dran liegen mag, dass wir mit Bondage ein eher kleiner gestecktes Interessenfeld haben, was das Angebot angeht. Unser BoundCon-Motto lautete: Was es gibt, haben wir schon, und was wir nicht haben, wollen wir nicht (da Lack, Leder, Latex und die meisten Schlag- und Quälwerkzeuge für uns uninteressant sind). Auch gut, schont gewaltig den Geldbeutel. Nur eine kleine, gut gefütterte und absolut lichtdichte Augenmaske hat den Weg in meinen Bestand gefunden.
Die Luft ließ dank der Wärme draußen auch zu wünschen übrig, aber das kennt man vom Zenith nicht anders. Kaum ist das Wetter schön und sonnig, heizt das Zenith sich auf, und die Luft wird drückend stickig – fast schon schwül. Kann man nix machen, ist wohl bauartbedingt.
Aber ich will nicht nur meckern, es gab wieder das ein oder andere schöne Gespräch mit lange nicht gesehenen Leuten, und der Abend ist in toller Runde wirklich schön in unserem nun fast schon BoundCon-Stammrestaurant ausgeklungen. Allein dafür lohnt sich der Trip nach München.
Alles in allem war es ein gelungener Samstag, und ich freu mich doch schon wieder auf den Besuch im nächsten Jahr. Nach der BoundCon ist eben vor der BoundCon.

Samstag, 14. Mai 2016

Sellerieschnitzel im Käsemantel

Ich habe Knollensellerie aus tiefstem Herzen verabscheut. Der erdige und irgendwie muffige Geschmack war mir immer zuwider. Höchstens kleine dünne Stücke im Eintopf und am besten noch püriert war er essbar für mich.
Bis ich mich getraut habe, ihm eine letzte Chance zu geben:

Sellerieschnitzel im Käsemantel

Zutaten:
1 Knollensellerie (ca. 500g)
Salz, 1 EL Zitronensaft, Pfeffer
50 g Mehl
1 - 2 Eier
50 g geriebener Parmesan
50 g Semmelbrösel
100 ml + 1 EL neutrales Pflanzenöl
1 kleine Zwiebel
2 TL edelsüßes Paprikapulver
5 EL Gemüsebrühe
100 g Sahne
1 Zitrone
Den Sellerie putzen, schälen halbieren und in ca. 1 cm dicke Scheiben schneiden. In einem Topf reichlich Salzwasser zum Kochen bringen, den Zitronensaft dazugeben und die Selleriescheiben darin 10-12 Minuten vorgaren. Dann in ein Sieb abgießen, kalt abschrecken und gut abtropfen lassen. Mit Salz und Pfeffer würzen.
Das Mehl auf einen Teller geben, das Ei in einem zweiten Teller verquirlen. Parmesan und Semmelbrösel in einem dritten Teller mischen. Die Selleriescheiben erst in dem Mehl, dann im verquirlten Ei und zuletzt in der Käsemischung wenden.
In einer großen Pfanne 100 ml Öl erhitzen. Die Selleriescheiben darin portionsweise in 3-4 Minuten pro Seite goldbraun braten. Herausnehmen, auf Küchenpapier abtropfen lassen und im auf 50° vorgeheizten Backofen warm halten.
Für die Sauce die Zwiebel schälen, fein würfeln und in 1 EL Öl glasig braten. Das Paprikapulver darüberstäuben und unter rühren kurz anschwitzen. Mit der Brühe und der Sahne ablöschen und 5-6 Minuten bei mittlerer Hitze kochen. Mit Salz und Pfeffer abschmecken. Die Zitrone achteln. Die Sellerieschnitzel mit der Sauce und den Zitronenstücken servieren.
(Für 2 Personen)

Ist zwar ein bisschen Schnippelei, aber es lohnt sich! Ich hätte nicht geglaubt, dass es eine Form gibt, in der ich Sellerie gerne esse, aber durch den Parmesan und das Braten verschwindet der muffig-erdige Geschmack und ich war schlichtweg begeistert.
Wir haben noch Ofenkartoffeln dazu gegessen, aber eigentlich braucht man keine Beilagen zu diesem Essen. Es ist noch gut was übrig geblieben von den Sellerieschnitzeln. Die haben wir dann am nächsten Tag kalt verputzt – auch sehr lecker. Ein vegetraisches Gericht, bei dem ich kein Fleisch vermisse, sonst fehlt es mir gerne mal. Das Rezept habe ich übrigens aus dem Kochbuch "Vegetarisch! Das goldene von GU"
Es ist einfach wichtig, immer mal wieder Sachen zu probieren, die man bislang nicht mochte oder zumindest neuen Rezepten und Zutaten gegenüber aufgeschlossen zu bleiben.