Sonntag, 10. Mai 2015

Hausarbeit

In der Wohnung ist nur für das nötigste Zeit, im Haus türmt sie sich und hat momentan äußerste Priorität. Die Tapeten sind runter, zwei von vier Teppichböden sind raus (die beiden größten) und seit gestern ist auch der Fliesenspiegel in der Küche, dank Ramm-Bo und seinem kleinen Bruder Boschhammer, mitsamt zentimeterdickem Mörtel weg. Die Fliesen hatten wir schon eine Woche vorher mit Hammer und Meißel abgekloppt, der Mörtel war hartnäckig und wollte mit härteren Bandagen bekämpft werden. Dabei war die Rollenverteilung irgendwie nicht klassisch, aber anscheinend suchen sich Arbeitsgeräte auch ihre Bediener aus. So habe ich mich also gestern 2 Stunden lang mit einem 8 Kg schweren Abbruchhammer mit dem passenden Namen Ramm-Bo vergnügt. Das ging natürlich nicht in einem durch und die Anzahl der Pausen wurde nach hinten raus erheblich größer. Wir wissen jetzt auch sicher, wo eines der Stromkabel in der Wand liegt und dass es ein Flachkabel ist. Mein neuer Freund der Abbruchhammer arbeitet dermaßen gewissenhaft und die Schutzbrille war so beschlagen, dass ich das Kabel erst im letzten Moment gesehen habe. Die Isolierung scheint aber noch intakt zu sein. Nach der groben Mörtelbeseitigung - für die feineren Arbeiten war der etwas kleinere Boschhammer zuständig - hat der Herr des Hauses sich mit Ramm-Bo schonmal testweise an den Bodenfliesen probiert und ratzfatz ein Loch bis in den Estrich geruppelt. Ein Abrruchhammer bleibt eben ein Abbruchhammer.
Heute lassen wir beide die Arme am liebsten lang am Körper runterhängen und generell bewegen wir uns langsamer als sonst. Aber es hilft alles nichts, es wir heute noch weitergearbeitet. Allerdings mit wesentlich weniger Kraftaufwand, denn heute ist Sonntag, wir beschränken uns auf die leisen Arbeiten und machen uns über die letzten beiden Teppichböden her. Wenn die raus sind, geht es fast schon wieder bergauf - wäre da nicht das Bad, das sich als unser persönliches schwarzes Loch herausstellt. Ich habe nicht gedacht, dass eine Badrenovierung so kompliziert ist, aber nächste Woche kommt ein Installateur und von dem erhoffen wir uns etwas Durchblick.
Und dann sind da noch die bis unter die Decke reichenden Fliesen im Bad, die entfernt werden wollen ...

Montag, 13. April 2015

Home sweet home

Eigentlich hatten wir nur vor, uns in den Kundenstamm eines ortsansässigen Maklers aufnehmen zu lassen, nun sind wir schon stolze Besitzer eines Hauses.
Aber von Anfang an. Vor knapp zwei Monaten hatten mein Partner und ich den Entschluss gefasst, und so langsam mal nach einem Haus umzuschauen. Unsere Wohnung platzt aus allen Nähten und wir fänden es beide schön, so langsam mal was eigenes zu haben. Also sind wir eines Samstag Morgens Ende Februar losmarschiert, um uns in den Kundenstamm eines Immobilienmaklers aufnehmen zu lassen. Dort angekommen, wurden wir nach unserem Anliegen gefragt und als ich meinte "Wir suchen ein Einfamilienhaus" kam als Antwort "Haben Sie schon unser neues Angebot von heute Morgen gesehen?". Hatten wir noch nicht. Der Makler gab uns die Adresse, wir fuhren hin und nach einer kurzen äußeren Besichtigung riefen wir den Makler dazu, damit wir es auch von Innen inspizieren konnten. Während wir so durch die Räume liefen stellten wir fest, dass wir beide schon unabhängig voneinander anfingen, unsere Möbel zu stellen. Das Häuschen gefiel uns also beiden.
Aufgrund des doch etwas angespannten Wohnungsmarktes hier im Ort, gibt es immer viele Interessenten für ein Objekt vor allem, wenn das Preis-/Leistungsverhältnis wie in unserem Fall sehr gut ist. Wir hatten also nicht viel Zeit, uns die Sache durch den Kopf gehen zu lassen. Ein Haus kauft man aber nicht mal eben so. Oder doch? Wie dem aus sei, wir haben zwei Tage später zugesagt und seitdem eine aufregende Zeit. Die Finanzen mussten geregelt werden, das Haus wollte noch begutachtet werden, das ganze Vorhaben wollte nochmal bedacht werden und schwups saßen wir beim Notar und ließen den Kaufvertrag beglaubigen.
Nun sind wir beide eher vorsichtige Menschen, aber trotz der ganzen Aufregung, Nervosität und Geschwindigkeit (eigentlich hatten wir ca. sechs Monate für das Projekt Hauskauf eingeplant), sind wir nach wie vor glücklich mit unserer Entscheidung. Manchmal kann ich es noch nicht wirklich glauben, dass wir das nun so schnell gemacht haben, aber es fühlt sich gut an. Außerdem kam am Freitag die Zahlungsaufforderung für den Hauspreis und wir sind im Grundbuch vorgemerkt. Es ist also alles nach wie vor real und wir sind wieder einen Schritt weiter. Jetzt rücken die Hausschlüssel schon fast in greifbare Nähe und die Renovierungspläne nehmen langsam Formen an. Bodenbeläge und Fliesen haben wir schon ausgesucht, aber die Projekte mit der höchsten Priorität sind Küche und Bad, denn die eine fehlt komplett und das andere ist uralt, hässlich und wie ich finde auch ekelig.
Ich bin glücklich, nervös, aufgeregt und manchmal ein bisschen ängstlich, aber ich freue mich riesig auf die gemeinsame Zukunft in unserem eigenen Haus. Es fühlt sich jetzt schon ein bisschen mehr nach kleiner Familie an.
Die Realität ist eben nicht planbar - aber dennoch manchmal wunderschön.

Donnerstag, 12. März 2015

Terry Pratchett ist tot

Im Moment reiht sich ein Todesfall an den anderen. Natürlich ist das der normale Gang der Dinge, jeden Tag sterben Menschen auf der ganzen Welt, aber in den letzten Wochen und Tagen fällt es mir besonders auf. Helden und Begleiter meiner Kindheit sterben.
Die letzte Meldung auf seinem Twitter-Account:


Der Tweet, der mich am meisten berührt hat, ist von seiner Tochter Rhianna Pratchett:
Gute Reise Mr. Pratchett

Freitag, 27. Februar 2015

Live long and prosper

Wieder ist einer tot, der mich seit meiner Kindheit begleitet hat. Zumindest, was die Medienwelt angeht.
Gute Reise Leonard Nimoy!

R.I.P.

Donnerstag, 26. Februar 2015

Erzähl-ein-Märchen-Tag

Der 26. Februar steht weltweit unter dem Motto: Erzähl-ein-Märchen-Tag.
Es geht darum, Geschichten zu erzählen, vorzulesen und selber zu erfinden. Und genau das habe ich getan, bzw. ich bin dabei, es zu tun. Das Märchen ist noch nicht fertig, es wird mit der Zeit wachsen.
Alle in diesem Märchen geschilderten Handlungen und Personen sind frei erfunden. Ähnlichkeiten mit lebenden oder verstorbenen Personen wären zufällig und nicht beabsichtigt.

Der König

Es war einmal ein König, der hatte ein wunderschönes Reich. Er war stolz auf sein Reich, denn es war fröhlich und bunt, die Menschen lebten gerne dort. Sogar so gerne, dass immer mehr Fremde kamen, um in seinem Reich zu leben. Der König begrüßte diese Entwicklung, bedeutete es doch, dass sein Ansehen im Rest der Welt anstieg. Sein Reich vergrößerte sich so von ganz allein, was ihm auch sehr gelegen kam, denn er mochte den Krieg nicht. Er verabscheute Schlachtfelder und deren Benutzung und so kam es, dass er gar keine Armee hatte. Seine Reichsgrenzen wurden nur von einigen Wildhütern bewacht, die dafür sorgten, dass Ungeheuer wie Drachen, Trolle und Höllenhunde fern blieben. Es gab auch immer mal wieder Auswanderer, die ihr Glück in anderen Teilen der Welt suchen wollten, aber das störte den König nicht, er ließ sie guten Mutes ziehen.
Er liebte auch seine Arbeit. Verbrachte er doch die Tage damit, Papyrusrollen aus aller Welt zu lesen und dann sein Wissen in eben dieser zu verbreiten. Das war einem König angemessen, gleichzeitig wuchs sein Bekanntheitsgrad und es ließ ihm genug freie Zeit, um seine Ländereien zu bewundern. Dies tat er vornehmlich in der prunkvollen königlichen Kutsche, denn er mochte nur ungerne lange Strecken reiten. Das Geschaukle auf dem Pferderücken lag ihm einfach nicht und auch scheuerte es seine feinen Pumphosen durch.
Der König war recht zufrieden mit seinem Leben. Er hatte ein großartiges Reich, Minister, die seine Staatsangelegenheiten lenkten, ein treues und fröhliches Volk - nur eine Königin hatte er nicht. Wohl gab es einige Hofdamen denen er seine Aufmerksamkeit widmete, aber keine war edel genug, um seine Königin zu werden. Eine Königin musste sorgfältig gewählt werden, denn sie würde das schillernde Prisma seiner Sonne, der Lichtstrahl auf seinem Diamanten, das Grünzeug seines Blumenarrangements, das Platzdeckchen unter seinem königlichen Kuchenteller.
... to be continued ...

Montag, 23. Februar 2015

Literarische Weiterbildung

Vor einigen Jahren schenkte mir meine Mutter aus Gründen eine Karte mit dem Aufdruck "Wichtig ist nicht, was einem passiert, sondern wie man damit umgeht." Für mich bedeutet die Karte eine Aufforderung, Situationen von verschiedenen Seiten aus zu beleuchten und zu versuchen, das beste daraus zu machen.
Die Karte hat einen Platz auf unserem Kühlschrank gefunden. So laufe ich mehrmals am Tag an ihr vorbei und verliere dieses Motto nicht aus den Augen. Es steckt viel wahres in diesem Spruch, denn nur allzu oft lässt man sich dazu verleiten, ungünstige Situationen sehr einseitig zu betrachten. Man versucht gar nicht erst, ihnen irgendwas positives abzugewinnen.
Ich habe mir dieses Motto was meine derzeitige berufliche Situation anbelangt mal wieder zu Herzen genommen und habe angefangen, während meiner arbeitsbedingten Freiphasen Klassiker zu lesen. Den Schimmelreiter (Theodor Storm) habe ich durch und momentan Sturmhöhe (Wuthering Heights) von Emily Brontë in Arbeit. Diese wird vermutlich gefolgt werden von Wilhelm Tell (Friedrich Schiller), Götz von Berlichingen (Johann Wolfgang von Goethe) und was mir dann noch so einfällt. Fündig werde ich beim Projekt Gutenberg, einer Sammlung von klassischer Literatur online.
Ich betrachte diesen Zeitvertreib als literarische Weiterbildung, denn viele der Klassiker hat man nur gezwungenermaßen während der Schulzeit gelesen. Jetzt lese ich sie freiwillig und mit ganz anderen Augen. Ich hole das nach, was damals schon hätte hängenbleiben sollen. Ich muss nichts interpretieren, auseinandernehmen und bewerten, kann mir meine eigenen Gedanken machen und muss dabei nicht auf Notenjagd gehen.
Meinem Arbeitgeber nützt das zwar nichts, aber der will es ja anscheinend nicht anders. Ich versuche, aus der verlorenen Zeit das beste zu machen und sie wenigstens halbwegs sinnvoll totzuschlagen, indem ich mein Hirn füttere.

Freitag, 30. Januar 2015

(Alb)Traumjob

Endlich Wochenende! Ich habe eine weitere Woche, bestimmt von gähnender Langeweile, hinter mich gebracht. Ich spreche hier nicht von langweiliger Freizeit, sondern von einer meiner ganz normalen Arbeitswochen.
Wer träumt nicht davon einen Job zu haben, bei dem man möglichst wenig arbeiten muss, Geld, Urlaub und Arbeitszeiten aber stimmen? Ich kann mich sogar erinnern, dass ich mir das vor ca. einem Jahr selber immer mal wieder gewünscht habe. Mittlerweile kann ich aus 4-monatiger Erfahrung sagen: Nein, das will man nicht. Es gibt nichts schlimmeres, als täglich gelangweilt, unterfordert und mittlerweile völlig unmotiviert am Schreibtisch zu hocken und irgendwie den Arbeitstag rumzukriegen. Ich schleppe mich von Frühstücks- zu Mittagspause, zu Feierabend, zu Wochenende. Der Freitag ist der einzige Tag in der Woche, an dem ich halbwegs gut gelaunt zur Arbeit fahre, nur weil ich weiß, dass es fast geschafft ist. Der Mittwoch hat sich mittlerweile als Höhepunkt der schlechten Laune und des Frusts herausgestellt. Mein Chef weiß sogar, dass ich mich langweile, aber es scheint ihn nicht zu interessieren. Er findet es anscheinend sogar noch recht lustig, dass ich "nicht ausgelastet" bin, wie er es neulich lachend einem Kollegen erzählt hat.
Es ist mir völlig unverständlich, wie man so handeln kann, wie man so wenig kaufmännisches Denken aufbringen kann, dass man nicht sieht, ob für eine freie Stelle eine Vollzeit- oder eine Teilzeitkraft benötigt wird. Ich will mich nicht beklagen, dass ich fürs Nichtstun bezahlt werde, aber mein kaufmännisches Bewusstsein schreit da regelmäßig auf. Das nenne ich Geld verbrennen. Aber genau das ist eine Disziplin, in der mein Arbeitgeber so richtig gut ist. Nicht nur, was meinen Job betrifft. Auch in unzähligen anderen Bereichen des Unternehmens wird das Geld mit einer Inbrunst verbrannt, dass es mich graust.
Ich halte die Augen auf und hoffe sehr, dass ich bald einen Job finde, der mich wesentlich mehr fordert. Momentan ist Durchhalten angesagt. Zumindest bin ich mir jetzt sicher, dass die Definition von "Traumjob" nicht "keine Arbeit bei voller Bezahlung" ist.
Nicht zuletzt schlägt sich das auch auf meine Psyche nieder. Ich merke, wie sich der Frust und das Gefühl nicht gebraucht zu werden in meinem Privatleben niederschlägt. Und das ist nicht gut. Auch wenn ich gerade eben noch von Durchhalten geschrieben habe, bin ich mittlerweile kurz davor einfach wieder zu kündigen. Natürlich könnte ich ein Buch nach dem anderen während der Arbeitszeit lesen und Coputerspiele spielen, und das alles mache ich auch in Maßen, aber dann kommt zu dem Gefühl der Nutzlosigkeit auch noch das Gefühl der Faulheit. Das kann es nicht sein, so bin ich nicht gestrickt.
Mein schlechtes Gewissen kämpft mit der verzweifelten Suche nach weiterer Arbeit, aber da ist nichts.